Ralf König

* 1960 Geboren in Soest

 

»Ralf König wurde am 8. August 1960 in Soest/Westfalen geboren. Er besuchte die Hauptschule in Werl und absolvierte im Anschluss eine Tischlerlehre. 1979, während seines Coming-outs, veröffentlichte er erste kurze, vor dem Hintergrund der politischen Schwulenbewegung teilweise sehr engagierte Comic-Storys in dem Münchener Underground-Magazin Zomix sowie der Schwulenzeitschrift Rosa Flieder. Er machte seine Mittlere Reife nach und studierte 1981-1986 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf mit dem Schwerpunkt Freie Kunst.

 

1981 erschienen mit Sarius, Das sensationelle Comic-Book und SchwulComix drei erste Comic-Hefte, deren sich zwischen Naturalismus, Fantasy und Underground bewegende Ästhetik die Suche nach einem individuellen Stil dokumentieren. Für die Zeitschrift Arbeit und Sicherheit im deutschen Bergbau entstand 1983 als Auftragsarbeit die Serie Bodo und Heinz(bis 1985).

 

Mit dem Band SchwulComix 2, 1984 in dem Berliner Szeneverlag Rosa Winkel erschienen, fand König schließlich zu einer eigenen Stilistik und zu seinem Thema: In pointierten Kurzgeschichten, die von dem zeichnerischen Minimalismus der Französin Claire Bretécher beeinflusst sind, porträtierte er selbstironisch und mit satirischem Augenzwinkern den Alltag der schwulen Subkultur. Zwei weitere SchwulComix-Alben (später nachgedruckt unter den Titeln Silvestertuntenball und Sahneschnittchen) folgten 1985 und 1986 und machten König als Chronisten der Schwulenbewegung langsam einem wachsenden Publikum bekannt.

 

Mit Kondom des Grauens, einer Krimiparodie mit Anklängen an den Ton des Film noir, entstand 1987 eine erste längere Comic-Erzählung (1990 fortgesetzt mit Bis auf die Knochen), noch im gleichen Jahr gefolgt von Der bewegte Mann. Der bewegte Mann war Königs erster Comic bei einem großen Publikumsverlag und bescherte ihm eine breite Leserschaft auch jenseits der Schwulenszene. Eine Fortsetzung erschien im folgenden Jahr mit Pretty Baby. 1994 wurde Der bewegte Mann von Sönke Wortmann mit Til Schweiger, Joachim Król und Katja Riemann in den Hauptrollen verfilmt und mit 6,5 Millionen Zuschauern zum bis dato zweiterfolgreichsten Film der deutschen Kinogeschichte. Er wurde in 47 Ländern gezeigt, 1995 mit dem Bundesfilmpreis ausgezeichnet und löste einen Boom deutscher Filmkomödien aus – ein Genre, das bis dahin als tot galt.

 

Mit dem epischen Comic-Roman hat Ralf König zu einem neben seinen pointierten Kurzgeschichten zweiten idealen Erzählformat gefunden, in dem er auch Klassiker wie Aristophanes (Lysistrata, 1987, verfilmt 2002) oder Shakespeare (Jago, 1998) satirisch adaptierte. In beiden Formaten zählt das ungleiche Knollennasen-Paar Konrad und Paul (1990 für die Zeitschrift Magnus entstanden), die beide unterschiedliche Charakterzüge ihres Zeichners in sich tragen, zu den Figuren, denen sich Ralf König immer wieder widmet und in deren Biografie er eine Chronik des schwulen Alltags nachgezeichnet hat. In dem Band Super Paradise (1999) etwa setzte er sich mit dem Thema Aids auseinander, in Sie dürfen sich jetzt küssen (2003) mit der Homoehe.

 

1989 gestaltete König acht Comic-Hefte zum Thema Prävention für die Deutsche Aids-Hilfe. Trotz seines großen Erfolgs kam es in den 1990-er Jahren jedoch immer wieder auch zu Beanstandungen, die teilweise in Indizierungsanträgen gegen Königs Bücher mündeten. Besonders engagierte sich hier das bayerische Landesjugendamt. Die geforderte Indizierung des Titels Bullenklöten! (1992) lehnte die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften jedoch unter Berufung auf den Kunstvorbehalt ab. Trotzdem fand 1996 auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Meiningen eine breit angelegte bundesweite Ermittlungs und Beschlagnahmeaktion in über tausend Buchhandlungen statt, die sich neben anderen Comics (darunter auch Art Spiegelmans Maus) vor allem gegen den Band Kondom des Grauensrichtete. Zu einem Verfahren kam es jedoch nicht.

 

Einen neuen Weg beschritt König 2004 mit der Serie Roy & Al, in deren Mittelpunkt die beiden Hunde eines schwulen Paares stehen. In seinem bislang umfangreichsten Werk, der 2005 und 2006 in zwei Bänden erschienenen Erzählung Dschinn Dschinn, beschäftigte er sich mit dem Phänomen des radikalen Islamismus. Neben regelmäßig erscheinenden neuen Comic-Romanen zeichnet König monatlich Kurzgeschichten für die Zeitschrift Männer aktuellund das französische Fluide Glacial, die in Alben wie Suck my Duck! (2004) oder Trojanische Hengste (2006) gesammelt nachgedruckt werden.

 

Mit seinen witzigen, oft aber auch hintersinnigen und bewegenden Geschichten hat sich Ralf König stets gegen die Vorurteile gegenüber Schwulen und Lesben engagiert und dadurch spürbar zu einer gesellschaftlichen Liberalisierung beigetragen. Seine Bücher wurden in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt, zuletzt ins Katalanische, Gälische und Polnische. Mit einer Gesamtauflage von fast sieben Millionen Exemplaren ist er heute der weltweit populärste Autor explizit schwuler Geschichten. Vier seiner Werke wurden für das Kino verfilmt, etliche als Puppenspiel oder Theaterstück aufgeführt.

Schon 1992 wurde König während des Internationalen Comic-Salons in Erlangen in der Kategorie „Bester deutscher Comic-Zeichner“ mit dem Max-und-Moritz-Preis ausgezeichnet, dem zahlreiche internationale Preise folgten, u.a. 2005 der Prix Alph’Art für das beste Szenario für die französische Übersetzung von Wie die Karnickel in Angoulême sowie der Premio miglior storia lunga für die italienische Ausgabe von Bullenklöten! in Lucca.

 

2006 erhielt Ralf König für seine gezeichneten Kommentare zum Karikaturenstreit abermals den Max-und-Moritz-Preis (Spezialpreis der Jury) für sein Engagement in dem Konflikt um die 2005 von der dänischen Zeitung Jyllands-Posten veröffentlichen Mohammed-Cartoons.

 

Im Herbst 2007 sprang Ralf König als Urlaubsvertretung für den Zeichner Volker Reiche (Strizz) ein und zeichnete für die FAZ mit Prototyp über zwei Wochen täglich seine Version der Schöpfungsgeschichte, die ein Jahr später auch in erheblich erweiterter Form als Buchausgabe bei Rowohlt erschien. 2009 widmete er sich abermals dem Format des Zeitungsstrips und begann am 6. Januar ebenfalls in der FAZ die neue Serie Archetyp um Noah und seine Arche. Im Jahr darauf folgte Antityp über den Apostel Paulus. Zusammen mit Dschinn Dschinn und seinen Cartoons zum Karikaturenstreit markiert Ralf Königs "Bibel Trilogie" die Hinwendung des "Chronisten der Schwulenszene" zu einem neuen Thema, das ihm am Herzen liegt: der zunehmenden Aggressivität der Religion ausgerechnet in einer Zeit, die gemeinhin als "aufgeklärt" bezeichnet wird. Ralf König ist auch Vorstandsmitglied der Giordano-Bruno-Stiftung.